{"id":41,"date":"2020-06-30T08:16:46","date_gmt":"2020-06-30T07:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/dreizehn.org\/?p=41"},"modified":"2020-06-30T16:02:35","modified_gmt":"2020-06-30T15:02:35","slug":"koerperdrehungen-vom-karate-fuer-den-defensivzweikampf-im-fussball-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dreizehn.org\/?p=41","title":{"rendered":"K\u00f6rperdrehungen, vom Karate f\u00fcr den Defensivzweikampf im Fu\u00dfball lernen"},"content":{"rendered":"\n<p>Trainingszeit ist gerade in den unteren Spielklassen ein rares Gut. Warum sollte man als Trainer also nicht direkt die Erw\u00e4rmung und Mobilisierung zu Beginn der Trainingseinheit daf\u00fcr nutzen, an einem Detail im Bewegungsablauf der Spieler zu feilen? In diesem Artikel soll es um die schnelle K\u00f6rperdrehung gehen, wobei wir einen Blick \u00fcber den Tellerrand wagen und schauen wie eine K\u00f6rperdrehung im Karate ausgef\u00fchrt wird und welche Anregung wir fu\u00dfballspezifisch \u00fcbernehmen und trainieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es soll bei den im folgenden vorgestellten Ideen keinesfalls darum gehen, eine Idealtechnik zu trainieren oder gar einzuschleifen. Vielmehr ist die Idee, den Spielern durch Erkl\u00e4rungen und vor allem Bewegungserfahrungen die Vorteile der anfangs vermutlich etwas ungewohnten Bewegungsausf\u00fchrung bewusst zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Wozu K\u00f6rperdrehungen \u00fcben?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im defensiven eins gegen eins sind schnelle Reaktionen vornehmlich Richtungs\u00e4nderungen und K\u00f6rperdrehungen gefragt, insbesondere bei beweglichen fintenreichen Gegenspielern. Schaffen wir es, dass sich unsere Spieler schneller und effektiver drehen und somit schneller auf die Finte eines Gegenspielers reagieren k\u00f6nnen, werden sich ihre Chancen im direkten Duell verbessern. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt der Erfolg auch stark von der Wahrnehmung und dem individualtaktischen Geschick des Spielers ab, eine gute physische Grundlage ist aber sicherlich f\u00f6rderlich.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Drehungen im Karate<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Schnelle Drehungen sind in vielen Sportarten relevant. Sie genie\u00dfen aber insbesondere im Training von Kampfsportarten einen deutlich h\u00f6heren Stellenwert, als beispielsweise im Fu\u00dfball. Auf den ersten Blick sind Karate und Fu\u00dfball grundverschieden. Blickt man jedoch detaillierter auf die Anforderungen eines defensiven Zweikampfs im Fu\u00dfball, so findet man schnell Gemeinsamkeiten. In beiden Sportarten muss man offensichtlich blitzartig auf Aktionen und Bewegungen des Gegners reagieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Karate m\u00f6chte man den Schl\u00e4gen und Tritten des Gegners ausweichen um nicht getroffen zu werden. Ziel ist es, sich blitzartig aus der Angriffsrichtung des Gegners heraus zu bewegen, meist mit Hilfe einer Drehung um die L\u00e4ngsachse im Winkel von 45\u00b0-60\u00b0 und gegebenenfalls einem folgenden Gleitschritt. Diese Bewegung \u00e4hnelt stark der geforderten Bewegung eines Verteidigers im Fu\u00dfball, wenn der Angreifer im direkten 1:1 pl\u00f6tzlich die Richtung wechselt. Es ist daher bestimmt nicht falsch, zu schauen, wie diese Drehung&nbsp; im Karate ausgef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Karate geht die K\u00f6rperdrehung immer von einem Bewegungsimpuls der H\u00fcfte aus. Diese Bewegung f\u00fchlt sich anfangs ungewohnt an, da Spieler intuitiv dazu neigen, Drehungen durch Setzen eines Beins auszuf\u00fchren. Meist wird das Bein auf der Seite, zu der gedreht werden soll, kreisf\u00f6rmig seitlich nach hinten gef\u00fchrt. Physikalisch gesprochen f\u00fchrt dies dazu, dass sich signifikante Teile der K\u00f6rperma\u00dfe von der Rotationsachse (gedachte senkrechte Linie durch die Mitte des K\u00f6rpers) entfernen und die Drehung dadurch verlangsamen. Zudem ist die Rumpf- und H\u00fcftmuskulatur in der Lage deutlich gr\u00f6\u00dfere Kr\u00e4fte aufzubringen als eine einzelne Beinbewegung, so dass sich durch einen koordinativ richtigen Einsatz der H\u00fcfte schnellere Drehungen realisieren lassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Drehung wird also durch einen starken nach hinten gerichteten Impuls der H\u00fcftseite ausgef\u00fchrt, zu der sich gedreht werden soll. Das sollte sich f\u00fcr Unge\u00fcbte anfangs so anf\u00fchlen, als hinge das dazugeh\u00f6rige Bein nur lose an der H\u00fcfte und folgt bei der Drehbewegung dieser.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Drehung fu\u00dfballspezifisch trainieren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Vor Beginn der \u00dcbungen sollte ein kurze Erw\u00e4rmung und Mobilisierung der Muskeln und Gelenke erfolgen!<\/p>\n\n\n\n<p>Danach kann mit der ersten <strong>Bewegungserfahrung <\/strong>begonnen werden, um die Vorteile des H\u00fcfteinsatzes bewusst zu machen:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Drehen auf der Stelle, mit gestreckten und angezogenen Armen. Dabei den Unterschied zwischen den Drehgeschwindigkeiten herausarbeiten. Danach die \u00dcbung mit gebeugtem und aufrechtem Oberk\u00f6rper ausf\u00fchren, um den Vorteil der aufrechten Stellung zu zeigen. Hier sollte man explizit darauf eingehen, das die Drehung schneller wird, je mehr K\u00f6rpermasse sich m\u00f6glichst nah an der gedachten senkrechten Drehachse befindet.<\/li><li>Anschlie\u00dfend eine kurze \u201cTrocken\u00fcbung\u201d der Drehung durch bewusstes impulsartiges Bewegen jeweils einer H\u00fcftseite nach vorn und nach hinten. Dabei unbedingt auf beiden Seiten beide Richtungen \u00fcben.<\/li><li>Senkrecht Hochspringen und in der Luft eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Drehung durch H\u00fcftimpuls durchf\u00fchren.&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wichtig ist, dass senkrecht abgesprungen wird und erst in der Luft die H\u00fcftbewegung erfolgt wie hier gezeigt: <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.instagram.com\/p\/B_8gmjPHgKZ\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Danach schlie\u00dft sich ein<strong> spezifisches Lauf-ABC<\/strong> an:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Nachstellschritt 45\u00b0 vorw\u00e4rts, bei jedem Schritt das vordere Bein wechseln und auf bewussten H\u00fcfteinsatz achten<\/li><li>Nachstellschritt 45\u00b0 r\u00fcckw\u00e4rts, bei jedem Schritt das vordere Bein wechseln und auf bewussten H\u00fcfteinsatz achten<\/li><li>Sidesteps (tiefe zentrale Stellung, Knie etwa 70\u00b0 gebeugt), 180\u00b0 Drehung \u00fcber den Bauch (hintere Schulter vor dem Gesicht entlang), Drehimpuls durch H\u00fcftbewegung ausl\u00f6sen<\/li><li>Sidesteps (tiefe zentrale Stellung), 180\u00b0 Drehung \u00fcber den R\u00fccken (hintere Schulter hinter dem Gesicht entlang), Drehimpuls durch&nbsp; H\u00fcftbewegung ausl\u00f6sen<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Bei \u00dcbung 3 und 4 darauf achten, dass das Gewicht gleichm\u00e4\u00dfig auf beide Beine aufgeteilt ist und sich der Oberk\u00f6rper mittig und aufrecht \u00fcber den Beinen befindet. Zus\u00e4tzlich stets Spannung der Bauchmuskulatur einfordern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Partner\u00fcbungen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Spieler A und B stehen sich eine Arml\u00e4nge entfernt gegen\u00fcber (unter \u201cCoronabedingungen kann man den Abstand vergr\u00f6\u00dfern indem man mit Slalomstangen den Arm verl\u00e4ngert). Spieler A versucht Spieler B an der Schulter zu ber\u00fchren, Spieler B versucht durch H\u00fcftdrehung, die Schulter nach hinten zu bewegen ohne getroffen zu werden.&nbsp;<\/li><li>wie 1, jetzt mit zus\u00e4tzlichem Sidestep nach der Drehung&nbsp; (im Karate w\u00e4re das in etwa die Stellung Kiba Dachi mit anschlie\u00dfendem Yori Ashi)&nbsp;<\/li><li>Spieler A und B stehen ca 2m voneinander entfernt. A dribbelt den Ball mit permanenten Richtungswechseln, B reagiert mit entsprechender R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung, 45\u00b0-Drehung und folgendem Sidestep um A nach Au\u00dfen zu lenken. Es geht nicht um eine direkte Balleroberung, sondern nur um eine Reaktion auf die Richtungs\u00e4nderungen des Gegners<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbungen sollten anfangs langsam ausgef\u00fchrt werden, nach und nach die Geschwindigkeit steigern. Die Trainingspartner idealerweise immer wieder durchwechseln, um viele Variationen zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Kihon kiba Dachi chokozuki yori ashi shoshin ni kaeru shotokan\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/9iTzR1U2vC8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>Seitlicher Gleitschritt: Kiba Dachi Yori Ashi<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcbungsformen 1 vs 1<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Eine Gasse 20m lang und 5m breit aufbauen. Spieler Blau starten gemeinsam mit einem Ball und passen ihn sich zu, w\u00e4hrend sie sich auf das andere Ende der Gasse zu bewegen. Spieler Rot startet ca 5m entfernt in der Gasse und versucht durch die ge\u00fcbte R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung, den jeweils Ballf\u00fchrenden nach au\u00dfen zu lenken (noch keine aktive Balleroberung). Coachingpunkte: bewusste Drehungen von Rot und schnelle Reaktion auf die jeweiligen P\u00e4sse einfordern<\/li><li>\u00dcbung als aktiver Wettkampf, Rot versucht den Ball zu erobern<\/li><li>Aufbau siehe \u00dcbungsform 2:&nbsp; Spieler Blau startet mit Ball an einem Minitor, Spieler Rot&nbsp; am anderen Minitor. Spieler Blau kann entweder ein Tor erzielen (2P) oder durch das H\u00fctchentor dribbeln (1P). Spieler Rot verteidigt und kontert bei Ballgewinn auf das gegen\u00fcberliegende H\u00fctchentor (1P). Im Anschluss stellen sich die Spieler auf der gegen\u00fcberliegenden Seite an. Als Wettkampf durchf\u00fchren und individuelle Punkte z\u00e4hlen.&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" width=\"624\" height=\"351\" src=\"https:\/\/lh3.googleusercontent.com\/ciqgkgNCwJzB0zVbFq8VXvxs9CVOpLATdpCDApnHZP5Xt-7590po64bk2lzAK88DbKZNRUCoB1eEvXgWInV12IZYfYWL-Y57KADYIPfzHMArzFDn9Ma0mNuYYkEj5LHlsZ9UiWrM\"><\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das bewusste schnelle Drehen muss gerade im unteren Amateurbereich des \u00f6fteren ge\u00fcbt werden um Fortschritte zu erzielen. Die hier vorgestellten \u00dcbungen lassen sich gut zu Trainingsbeginn einbauen und nehmen nicht viel Zeit in Anspruch. Je nach Eigenmotivation der Spieler k\u00f6nnen die Bewegungen auch individuell au\u00dferhalb des Mannschaftstrainings ge\u00fcbt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schaffen wir es unsere Spieler im Detail zu verbessern, wird sich das auch positiv auf das Gesamtergebnis auswirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trainingszeit ist gerade in den unteren Spielklassen ein rares Gut. Warum sollte man als Trainer also nicht direkt die Erw\u00e4rmung und Mobilisierung zu Beginn der Trainingseinheit daf\u00fcr nutzen, an einem Detail im Bewegungsablauf der Spieler zu feilen? 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